Warum mir, aus völlig anderen Gründen, Sven Regener seit Jahren egal ist

Damals, in Berlin, lernte ich eines Nachts H. kennen. H. war eine bezaubernde Frau in der Blütezeit ihres Lebens, sehr belesen, sehr redsam, extrem schlau (wirklich blitzgescheit), ist lustigerweise fast zwei Köpfe kleiner als ich und trug beim ersten Kennenlernen irgendwas mit Leopardenmuster. In den ersten Wochen des Kennenlernens beeindruckte mich ihre Büchersammlung. Jede Menge Klassiker, eine sehr belesene Frau was auch mit ihrem Studium zu tun hatte und was sehr sexy sein kann.

Broken Bottles

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Sie hatte, neben ihrem Geschmack für Literatur, auch ein Faible für Musik von Element of Crime. “Mädchenmusik” dachte ich, ich kannte Element of Crime bis dato noch nicht, bzw. hatte keine Emotionale Bindung zur Musik. Das änderte sich nach den ersten Wochen schnell. Element of Crime und ich wurde sehr gute Freunde, versetzte die Musik H. doch immer in diese Stimmung, in der wir auf dem Sofa oder dem Küchenfußboden landeten, sie wissen schon, tolle Sache dieses Element of Crime, ich bin diesbezüglich praktisch veranlagt und wurde Fan der Gesamtsituation.

H. brannte vor Leidenschaft für zwei Personen. Sie verehrte neben Thomas Mann (was ich nie verstanden habe) auch den bereits erwähnten Sven Regener.

Bis heute gehe ich auch davon aus, dass mein Vorname einen nicht unerheblichen Einfluss auf unsere Beziehung hatte. Die Kunst des Jammerns mit einem Becks in der Hand hatte ich in jahrelangem Training perfektioniert, schliesslich ist das eine Art Einstellungskriterium für Berlin. Ich aber hatte Anderen gegenüber den Bonus, dass ich auch ein Sven bin.

Ich kürze jetzt ein wenig ab. Sie machte irgendwann irgendwas mit Medien, ich machte irgendwann irgendwas mit anderen Frauen und zog noch irgendwanner nach Hamburg. Wir verloren uns aus den Augen, trafen uns aber nach Jahren wieder und verbrachten zusammen einen Nachmittag in Berlin.

Sie erzählte, dass sie zwischenzeitlich für eine Weile bei einem Radiosender arbeitete und dort, nach etlichen Monaten und etlichen Anfragen, tatsächlich Sven Regener als Gast zum Interview hatte.

Das freute mich sehr, schließlich brannte sie damals für ihn und wünschte sich sehr, ihr Idol, ihre Stimme für so viele Lebenslagen (auch für den Mist, den ich gemacht habe, ich Arsch) zu treffen und einfach mal Danke zu sagen.

Ihr einziger Kommentar zum gesamten Interview mit Sven Regener war sinngemäß:

“Was für ein Horst. Ich kann ihn nicht mehr leiden. Alle Element of Crime CDs in den Müll geworfen.”

Seitdem kann ich Sven Regener auch nicht mehr leiden und er ist mir irgendwie egal.

Ich habe ihn nie persönlich getroffen, ich verlasse mich auf die Meinung von H. Das muss man erstmal schaffen, einem Fan jegliche Begeisterung zu nehmen, sogar in solch einem Maß, dass alle CDs in den Mülleimer wandern.

Mehr habe ich zur aktuellen Diskussion nicht zu sagen, sie interessiert mich nicht, sie ist so unrelevant wie nur was. Who cares.

12 Kommentare zu “Warum mir, aus völlig anderen Gründen, Sven Regener seit Jahren egal ist

  1. Tja, Musiker kennenlernen zerstört einem häufig die Musik. Von meiner damaligen Lieblingsband kannte ich irgendwann auch den Sänger zu gut, so dass ich am Ende das letzte Album vor der Auflösung nicht mehr gekauft habe. Die Auflösung selbst interessierte mich plötzlich so sehr wie der sprichwörtliche Sack Reis in China. Weggeworfen werden die CDs nicht, aber angehört hab ich sie auch schon sehr lange nicht mehr. Inzwischen bemühe ich mich so wenig wie möglich über Musiker zu wissen. “Was machst Du so?” – “Oh, ich bin Musiker.” – “Und tschüss …”

  2. Ganz wichtig: Niemals Lieblingsmusiker kennenlernen, niemals Lieblingsschriftsteller kennenlernen. Das kann einem alles verleiden.

  3. Cloud gab es damals noch nicht. Die Cloud hingt damals noch am Himmel und wurde, bestimmt auch von Herrn Regener, in Songs verarbeitet. Dunkle Wolken am Horizont, Regen, Sonne bricht durch die Wolken, etc. Sie wissen bestimmt, was ich meine.

  4. Feine Geschichte.
    Was das Kennenlernen von Lieblingsmusikern angeht, hab ich wohl Glück gehabt. Die erwiesen sich nämlich als absolut nett und, nun ja, einfach echt.

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