Der Rest von Hamburg: Meiendorf (und Volksdorf) aber nicht Rahlstedt

Meiendorf ist ein Ortsteil des Hamburger Stadtteils Rahlstedt und Meiendorf ist niedlich.

Seit knapp drei Jahren wohnen A., H. und ich in Meiendorf. In einer bezahlbaren dreizimmer Wohnung mit 30qm Terrasse, dicht am Wald, Bus vor der Tür, zur U-Bahn Meiendorfer Weg nur 7 Minuten zu Fuß.

Abgesehen davon, dass unser Haus wahrscheinlich abgerissen wird, wir demnach auf Wohnungssuche sind und die Wohnungen in Meiendorf inzwischen (UNFASSBAR und UNVERSCHÄMT) teuer wurden, ist hier alles super.

Wald in Volksdorf

Wald in Volksdorf, 50 Meter neben der Wohnung

Meiendorf gehört zu Rahlstedt, einem riesigen Stadtteil im Osten von Hamburg. Der Hanseat an sich kommt hier nicht hin, obwohl selbst unser Bürgermeister in Rahlstedt geboren und aufgewachsen ist. Rahlstedt ist nur mittelhübsch, gar keine Frage, Meiendorf allerdings ist wirklich niedlich. Es ist grün, es ist nicht so voll, es gibt einen Ententeich, einen Kletterwald und eine gute Kita, das passt für uns alles sehr gut.

Um diese Jahreszeit naturgemäß nicht gut zu erkennen:
Es ist hier aussergewöhnlich grün.

Überall Bäume und so, wirklich sensationell, herzerwärmend und schön. Die Gegend hier ist nicht umsonst Teil der Walddörfer in Hamburg.

Meiendorf grenzt an Hamburg-Volksdorf.
Mit dem Rad ein Weg von knapp fünf Minuten. In Volksdorf gibt es einen sehr guten Wochenmarkt, ein Schwimmbad mit Kinderbecken, ein Kino und das Museumsdorf. Das passt für uns auch, die Preise auf dem Markt sind sehr gut, das Programm im Kino ganz brauchbar, aber sonst ist Volksdorf zum einkaufen so wie jedes andere Kaff auch.

Bäcker, Budni, Tchibo, Reisebüro, Blumen, Frisör, Optiker, Spielzeugladen ein paar Restaurants und sensationell schlechter Kaffee bei dem einen Kaffee-Typen.

In Meiendorf selbst gibt es nicht so viel, von Penny und einem faszinierenden Mikrokosmos Namens Einkaufzentrum Spitzbergenweg (vorsicht, eine “alte” Webseite) mal abgesehen. Ich verstehe bis heute nicht, wie die Läden im EKZ sich halten können, ich sehe dort äusserst selten Kundschaft. Demnächst eröffnet ein neuer Aldi in Meiendorf, das ist noch erwähnenswert.

Wer sich die Bilder von Volksdorf und Meiendorf auf Flickr ansieht, wird feststellen, dass Herr @luebue ca. 99% der Bilder von Meiendorf gemacht hat.

Ich wohne gerne hier, aber ich wohne eigentlich überall gerne, solange es nicht neben einem Nazi-Vereinsheim ist.

Ich mag den Wald, die erstaunliche Ruhe am Wochenende und die Tatsache, dass ich an der U-Bahn wohne ist auch super.

Kletterwald Hamburg

Kletterwald Hamburg, 200 Meter von der Wohnung weg

Die Nachteile an Meiendorf und Volksdorf darf man aber nicht verschweigen.

Der Stadtteil wurde durch unseren Umzug hierher deutlich jünger.

Wer jemals von der “vergreisenden Gesellschaft” gehört hat – in Volksdorf kann man sich das ansehen. Hier gibt es unglaublich viele alte Leute und manchmal ist das aus unterschiedlichen Gründen sehr nervig. Je länger ich darüber nachdenke, desto schlimmer finde ich das. Es ist regelmässig faszinierend, wie wenige Kinder es hier im Verhältniss gibt.

In Volksdorf wohnt viel altes Geld. Man sieht es an den Häusern, den Autos, den nur kurz geöffneten Kindergärten, den Kleidern der Muddis, die im SUV die Kinder dorthin bringen, an den vielen Privatpatienten beim Arzt, den Brillen, an der Kleidung, Getue und Gehabe der Leute, wenn sie am Sonntag, bei schönem Wetter, durch den Wald spazieren.

Desaströs nervig finde ich in Meiendorf die vielen Hundebesitzer, die im SUV zum Wald fahren und dann mit ihren selbstverständlich nicht angeleinten Viechern durch den Wald spazieren. Auf die könnte ich verzichten, die nerven, aber solche Hundebesitzer gibt es überall, nicht nur hier. Hier tauchen sie zu den Gassigehzeiten allerdings verstärkt auf, weil Wald, Natur und Erholung, sie kennen das ja.

Wenn ich mich gerade in Rage schreibe; der Stadtteil braucht eine Landflucht, damit endlich Wohnungen frei werden. Hier wohnen überall sehr, sehr, sehr alte Leute in riesigen Häusern auf riesigen Grundstücken. Das verstehe ich natürlich, aber ich suche zur Zeit eine Wohnung im Stadtteil und eine Landflucht würde unserer Wohnungssuche erleichtern.

Ansonsten ist Meiendorf ein guter Stadtteil. Gut zum Wohnen.

Das benachbarte Volksdorf hat gleich zwei, ich sag’ mal, sehenswerte Webseite. Treffpunkt Volksdorf und Volksdorf Journal. Die Technik der Webseiten ist so alt wie die vielen Senioren hier, aber sie geben trotzdem einen guten Überblick, was hier so passiert. Zum Beispiel das Laterne laufen der SPD, da war ich, da kann man uns auf dem Foto sehen (hat er nicht eine tolle Drachenlaterne? Die ist sensationell)

Ach ja, Frische Brise und Haltungsturnen wohnen auch hier.

Für Familie Buddenbohm & Söhne.
Via Der Rest von Hamburg – kleine Korrektur und Einladung

Mehr Artikel aus dem Stadtteil auf pop64.de:
Neue Wohnung in Meiendorf/Volksdorf – Feedback
Wohnen am Stadtrand in Hamburg – Meiendorf
Haus nicht kaufen – Hamburg vs. Berlin
Der wilde Osten von Hamburg
Meiendorfer Weg

Lesenswert dazu auch bei meinem Nachbarn:
haltungsturnen.de: Nur östlich der Alster

5 Kommentare zu “Der Rest von Hamburg: Meiendorf (und Volksdorf) aber nicht Rahlstedt

  1. In Volksdorf sind zwei meiner Kinder geboren und hat meine Tochter ihr Seepferdchen gemacht. In Volksdorf gibt es einen Nacktbadesee

  2. Feine Rezension meiner Heimat. Nur eine Korrektur: weder Meiendorf noch Volksdorf sind alt. Im Gegenteil – Volksdorf ist einer der kinderreichsten Stadtteile und vor allem einer mit einer hohen Kinderanzahl pro Familie (was, glaube ich, vor allem daran liegt, dass hier die beiden kinderreichen sozialen Ränder der Gesellschaft, also oben und unten, leben). Alle Schulen in Meiendorf wachsen zurzeit recht ordentlich. Und in Volksdorf gibt es an drei weiterführenden Schulen insgesamt fünfzehn oder mehr fünfte Klassen. Aber ja, in dem Teil von Meiendorf in dem ihr wohnt, ist es schon ein bisschen krass… In den geschmeidigen Ghettorandlagen ist es etwas anders :)

    Und gibt es einen Außenstadtteil mit einer höheren Alt-Blogger/innen-Dichte? Hihi.

    Und irgendwann werde ich auch wieder Mayor anstelle des Mayors. An der U-Bahn Meiendorfer Weg, doo.

  3. Anfang der 60er Jahre bin ich fast schlagartig die Hälfte meiner Rahlstedter Klassenkameraden losgeworden, wer damals gut verdient hat ist nach Volksdorf oder Meiendorf gezogen und hat dort gebaut. Vielleicht eine Erklärung für die Altersstruktur dort, die Leute leben da immer noch und ihre Kinder sind längst weggezogen..

  4. Der letzte Kommentar hat recht, auch die jetzt jungen sind irgendwann die dann Alten, das Spiel wird sich ewig wiederholen, und das ist gut so. Das Problem sind doch die Preise in Pflegeheimen ( HH 5000 hier 3000 ? ) die auch gut betuchte nicht mehr auf Dauer zählen können, ggf. Für 2 Leute, da bleibt nur Thailand oder Slowenien für 800 pro Nase u. Monat, anstatt eine Schwester für 2 Stationen, dann 3 Schwestern pro Person noch Fragen ?
    Das System ist einfach kaputt, wie die die dafür verantwortlich sind.
    In HH sind Senioren aus besseren Pflegeheimen wieder ausgezogen, weil die Zustände untragbar waren.

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