Nachtrag zu GEZ für Bus-Radio Hamburg vs. Berlin

Dort gibt es in den Kommentaren Zweifel, dass für die Busse überhaupt GEZ-Gebühr gezahlt wird.

… Busse im ÖPNV sind vom neuen Rundfunkbeitraga ausdrücklich ausgenommen …

Es scheint hier Optimierungspotential zu geben, denn die Hochbahn schreibt mir heute:

… die HOCHBAHN bezahlt für Ihre Busse die GEZ-Gebühr. …

Quelle: E-Mail von der Hochbahn.

Tja. Da habe ich richtig geraten.

Ach je, was habe ich da eben für einen Steuergelder-Hirnknoten gefunden.

bus driver listens to boom box

Foto: bus driver listens to boom box von John Kannenberg mit Some rights reserved

In jedem Bus, egal ob im Namen des HVV oder der BVG unterwegs, muss ein Radio eingebaut sein. Das Radio im Bus darf während normaler Fahrgastfahrten aber nicht eingeschaltet werden.

Die Busfahren sollen die Radios nur dann benutzen wenn das Funkgerät ausfällt, um so mit Hilfe des Verkehrsfunk über die Verkehrslage informiert zu werden.

Der Witz ist natürlich, dass für die Radios, die die Busfahrer eigentlich nicht anschalten dürfen, jeden Monat EUR 5,76 GEZ-Gebühr anfallen.

Die Angaben zur Anzahl der Busse sind sehr unterschiedlich, was an der Struktur des HVV und den BVG liegt. Wenn ich “HVV/BVG hatxyz Busse”, meine ich damit natürlich die Subunternehmer (oder wie sich das da nennt)

Der HVV hat irgendwas zwischen 886 und 662 Busse, macht jeden Monat EUR 5.103 – EUR 3.813
Die BVG haben, laut Wikipedia, 1323 Busse in Betrieb die monatlich EUR 7.620 zur Last fallen.

Jeden Monat zahlen die Unternehmen für Radios, die nicht genutzt werden sollen. Im Sinne von: sie zahlen für nix.

Ist das nicht wundervoll? Selten ein so schönes Beispiel für Bürokratie gefunden.

via rycon.wordpress.com – GEZ-Gebühr

StadtRAD Hamburg

Foto: StadtRAD Hamburg von rvdh mit Some rights reserved

In Hamburg ist das Stadtrad die ersten 30 Minuten kostenlos.

In Berlin zahlt man für das Call a Bike bereits ab der ersten Minute Leihgebühr.

Faszinierend, oder? Gleiches Produkt, gleiche Leistung, aber unterschiedliche Kosten.
Der Artikel könnte hier zu Ende sein, wenn es da nicht die Unterschiede in den Gebühren gäbe.

Hier gewinnt Hamburg mit einer sensationell einfachen Tarifstruktur.

Kosten Stadtrad Hamburg
Normal-Tarif HVV-Tarif * BahnCard-Tarif
1.-30. Minute kostenfrei kostenfrei kostenfrei
31.-60. Minute 4ct/Minute 3ct/Minute 3ct/Minute
ab 61. Minute 8ct/Minute 6ct/Minute 6ct/Minute
Tag (24 Std.) 12 € 12 € 12 €

Quelle: StadtRAD Hamburg Preise und Tarife.
Das ist super, das versteht Muddi, Vaddi und jeder Tourist. Zur Station gehen, Rad leihen, halbe Stunde kostenlos fahren, abstellen, fertig. Wenn es länger dauert kostet es etwas.

In Berlin ist das völlig anders.
Dort hat der deutsche Amtsschimmel in Kombination mit der deutschen Bahn zugeschlagen. Der Kenner ahnt, dass bei Zusammentreffen zwei solcher Spezialexperten nur extrem durchdachte und maximal einfache, verständliche, logische und auf den Nutzer passende Resultate zu erwarten sind.

Bei Stadtrad Berlin, bzw. Call a Bike gibt es zwei Preismodelle.

1. Pauschal-Tarif
Ich zahle eine Jahresgebühr und kann dann die ersten 30 Minuten kostenlos fahren.

Kosten Call-a-bike Berlin im Pauschaltarif
ohne Bahncard mit Bahncard VBB-Abo / Studenten
Jahrespauschale 48,00 Euro
36,00 Euro
24,00 Euro
1. – 30. Minute kostenfrei kostenfrei kostenfrei
ab 31. Minute 8ct/Minute 8ct/Minute 8ct/Minute
max pro Tag (24 Std.) 15 Euro 9 Euro 9 Euro

Quelle: callabike Berlin – Die Preise.
Ich nehme an, dass die Masse der Nutzer eher keine Jahrsgebühr für ein Fahrrad ausgibt. Für den normalen Nutzer gibt es noch den

2. Grund-Tarif
Keine Jahresgebühr. Für “Spontanfahrer” (Äh? Für wen sonst hat man Call-a-bike bitte überhaupt erfunden?) und, Hurra, teurer als in Hamburg.

Kosten Call-a-bike Berlin im normalen Tarif
ohne Bahncard mit Bahncard VBB-Abo / Studenten
ab 1. Minute 8ct/Minute
8ct/Minute
8ct/Minute
max pro Tag (24 Std.) 15 Euro 9 Euro 9 Euro

Quelle: callabike Berlin – Die Preise.

Wirklich verstehen tue ich das Berliner Modell nicht. Die Jahresgebühr von 48 Euro rechnet sich erst ab 10 Stunden. Ja, es kann sein, dass es sich für einzelne lohnt, aber normalerweise nimmt man sich ein Stadtrat / Call a Bike in der Mittagspause für eine fahrt zum Amt oder am Abend, wenn man verabredet ist und um die Ecke muss. Aber das plant doch niemand über das ganze Jahr, oder? Ich verstehe es nicht und lobe mir Hamburg. Endlich mal etwas richtig gemacht. Keep it simple. Danke.

Klare Sache wer hier gewinnt. Hamburg ist preiswerter, einfacher und überhaupt besser in Sachen Leihfahrrad als Berlin.

Stadtrad Hamburg vs. Call a Bike Berlin 48:0

Man beachte bitte die niedlichen Tabellen. Sind die nicht hübsch?

Zitty und Tip, die beiden wundervollen Sadtmagazine in Berlin die ich in Hamburg so vermisse, drehen gerade durch und sorgen dafür, dass sie demnächst den Bach runter gehen.

Zur Erinnerung: Tip und Zitty erscheinen alle zwei Wochen und man kauft die eigentlich nur um Termine/Veranstaltungen zu lesen. Alles andere in den Heften ist eher Nebensache, die Termine und das Kino-Fernsehprogramm sind der Grund, warum die gekauft werden.

Vor kurzem haben Tip und Zitty begonnen, ihr eigenes Grab zu schaufeln.

Eine Veröffentlichung in den Veranstaltungen und Terminen soll kostenpflichtig werden. Bislang war das kostenlos.

Da muss ich so lachen, das gibts gar nicht.
Warum? Darum:

„Hinzufügen möchten wir, dass wir natürlich die vollständigen digitalen Daten von der Cine Marketing GmbH annehmen werden, aber nach wie vor keine Veröffentlichungsgarantie für alle Medienhäuser abgeben können.“ Gezahlt werden muss also dafür, dass den beiden Magazinen der Inhalt ihrer Ausgaben geliefert wird, ob das aber tatsächlich zum Abdruck der Veranstaltungen führt, darüber darf man sich dann überraschen lassen. Denn gezahlt wird ja nur für die Digitalisierung, nicht aber für den Abdruck.

Quelle: Berlin – Stadtmagazine tip & zitty kassieren ab

Es gibt 8000 Angebote im Internet, die nichts anders machen als Termine online zu stellen und dann kommen Tip und Zitty daher und wollen dafür Geld?
Nur für die digitalisierung? Ich zahle und habe nicht!! die Garantie, dass meine Veranstaltung erscheint?

Liebe Zitty, lieber Tip: Meiner Meinung nach ist das der allergrößte Scheiss den ihr je gemacht habt. Da haben euch die Marketing-/Werbefuzzies euch den totalen Dreck angedreht.

Niemand zahlt heutzutage für so eine digitalisierung Geld.
Gebt den Leuten ein Formular auf eure Webseite und lasst sie das selbst eingeben.
Kostenlos.
Geht ganz einfach.
Dann könnte man eure Webseite auch mal sinnvoll nutzen.

Alles andere ist, meiner Meinung nach, unglaublicher Schwachsinn und wird euch in den Ruin treiben.

Weitere Artikel dazu gibt es auf hauptstadtblog – Das Berliner Terminkartell, im Terminkartell-Blog und natürlich im reptilienfonds-Blog – Tip & Zitty sourcen ihre Kernkompetenz aus.
Da gings los, da finden sich die meisten Kommentare diesbezüglich und das ist ein guter Einstieg in diese Lachnummer.